Lichthof

Erholungsraum. Gäste - und Seminarhaus mit Café und Bazaar

ENGLISH: Die Hüter

Ich bin Ira. Ich war elf, als meine Eltern dieses Anwesen kauften. Zuvor hatten wir am Stadtrand gelebt, in einer Mietwohnung mit Balkon und Blick auf den Garten des Vermieters, ohne ihn betreten zu dürfen. Nun hatten wir endlich ein eigenes Reich, aber vor allem einen riesigen Garten mit vielen Obstbäumen. Ich lernte unsere eigenen Früchte und Kräuter genießen, Marmelade und Säfte zu machen und daß man selbst aus angeblichem Unkraut wohltuende Köstlichkeiten zaubern kann.

 

Meine Mutter Bara setzte sich mit der heilenden Kraft der Kräuter und Blüten auseinander, lernte alternativen Heilmethoden und entdeckte ihre Spiritualität. Für mich war das die natürlichste Sache der Welt. Und so schön hilfreich! Bachblüten und Fernheilungen halfen mir durch eine sehr schwierige Zeit an einer sehr schwierigen Schule, an der ich humanistisch und musisch gebildet wurde.

 

Während meine Mutter den „Lichthof“ als spirituelle Begegnungsstätte mit Praxis eröffnete und ausbaute, wurde ich neugierig auf die große weite Welt und all ihre Menschen mit deren Geschichten und Ausdrucksformen. Ich zog nach Berlin, studierte vergleichende Literaturwissenschaften, wurde Journalistin und berichtete schließlich über ein Jahrzehnt lang als Fernsehproduzentin für die ARD über das tägliche Geschehen in den großen und kleinen Welten. Ich habe Geschichten aus aller Welt gelesen, Menschen aller Arten und Schichten getroffen, texten, managen, kalkulieren und Kunden betreuen gelernt. Als ich eine eigene kleine Beitragsserie „Promis kochen“ produzieren durfte, entdeckte ich meine Liebe zum Herstellen von Süßspeisen neu.

 

Regelmäßig erholte ich mich in meiner idylischen Heimat und kam dabei immer in den befreienden Genuß von Baras jeweils neu erlernter Körperarbeit. Einige Methoden habe ich auch von ihr gelernt. Ich habe sie aber immer nur privat angewendet. Meine Spritualität lebte ich nie „esoterisch“, sondern schlicht als Teil meines Alltags. Ganz offen. Auch wenn ich von Kollegen belächelt wurde, wenn ich das Tarot befragte oderRäucherstäbchen als Gebete anzündete.

 

Auf Reisen in fremde Länder hole ich mir Abstand und neuen Input. Seit 1999 fliege ich einmal pro Jahr nach Indien. Mittlerweile habe ich dieses Land von Nord bis Süd und West bis Ost bereist. In Goa entspanne ich mich regelmäßig. Dort habe ich auch die Liebe meines Lebens getroffen.

 

Dipak aus Nepal fiel mir sofort auf, weil er der aufmerksamste, schnellste und unaufdringlichste Kellner ist, den ich je getroffen habe. Er kann Gästen im wahrsten Sinne des Wortes jeden Wunsch von den Augen ablesen! Er hat in Kathmandu, Mumbai und Goa in den besten Hotelrestaurants gearbeitet. Weil er Essen liebt, hat er immer den Köchen über die Schulter geschaut und anschließend die Reste der Gäste gekostet. So hat er wunderbar kochen gelernt. Was mich am meisten überrascht hat, ist sein umfangreiches aryurvedisches Wissen über die Heilkraft der Zutaten. Aber ich habe schnell verstanden, daß das etwas ist, was vielleicht Europäer in Kursen lernen müssen, aber jeder Hindu mit der Muttermilch einsaugt.

 

Weil Deutschland nicht erlaubte, daß Dipak mich besuchte und ich von meinem Job ausgebrannt war, wagte ich den Sprung und lebte mit ihm in Nepal und Goa. Zusammen reisten wir viel. Dabei wurde unsere Vision geboren: Eine eigenes Gästehaus mit kleinem Restaurant! So können wir unsere Talente vereinigen, für die eigene Sache arbeiten und andere beglücken. Denn wir wissen genau, was Traveller brauchen und welches Essen von hier oder dort schmeckt und guttut!

 

Meine Mutter hat uns eingeladen, diesen Traum im „Lichthof“ zu realisieren. Dipak fand das sofort toll.Ich hatte nun wirklich genug von der Welt gesehen und freute mich auch auf die Rückkehr nach Panama. Seit Mitte 2012 leben wir hier, 2013 hat Dipak Deutsch gelernt und wir haben mit den Vorbereitungen begonnen.

 

Kaum hatten wir die Lizenzen, hat sich leider meine heißgeliebte Mutter aus diesem Leben verabschiedet. So bin ich auch zur Hüterin des „Lichthofes“ als heilsame Begegnungsstätte geworden. Mein Leben und meine Arbeit haben mich auch für diese Aufgabe ausgebildet. Ich trete das verantwortungsvolle Erbe an, weil es ein wichtiger Bestandteil meiner selbst ist und gehe gleichzeitig weiter meinen eigenen Weg. Zu meinem großen Glück habe ich dabei Dipak an meiner Seite.